25. Dezember – Christmas Is Killing Me von The Pretty Reckless

Nach all dem Glanz, der Harmonie und dem Festtagslächeln gibt es zum Nachtrag am 25. Dezember noch einen radikalen Perspektivwechsel. Christmas Is Killing Me von The Pretty Reckless ist das genaue Gegenteil eines klassischen Weihnachtssongs – und gerade deshalb ein passender Epilog.
The Pretty Reckless um Frontfrau Taylor Momsen stehen für düsteren Alternative Rock mit Grunge- und Hardrock-Wurzeln. Momsen, einst Kinderstar (How the Grinch Stole Christmas, Gossip Girl), hat sich längst als ernstzunehmende Rockmusikerin etabliert – kompromisslos, roh und emotional direkt.
Der Song wurde von Momsen gemeinsam mit Gitarrist und Produzent Ben Phillips geschrieben und 2021 veröffentlicht. Inhaltlich ist er eine schonungslose Abrechnung mit der Kehrseite der Feiertage: Einsamkeit, Überforderung, Erwartungsdruck. „Christmas is killing me“ ist hier kein Scherz, sondern ein ehrliches Statement – bitter, verletzlich und bewusst ungeschönt.
Musikalisch ist das Stück reduziert und düster: ein schleppender Groove, verzerrte Gitarren, viel Raum und eine Produktion, die nichts beschönigt. Momsens Gesang schwankt zwischen Resignation und Wut, ohne je ins Theatralische zu kippen. Keine Glöckchen, kein Chor, kein Trostpflaster.
Kein Wohlfühl-Finale – aber ein ehrlicher Nachsatz. Denn Weihnachten ist nicht für alle leicht. Und genau dafür ist dieser Song da
24. Dezember – Tonight Is Christmas Eve von Girl Named Tom

Zum Abschluss des musikalischen Adventskalenders geht es mitten hinein in die Vorfreude. Tonight Is Christmas Eve von Girl Named Tom feiert genau diesen besonderen Moment: die Nacht vor Weihnachten – voller Erwartung, Aufregung und ein bisschen Magie.
Girl Named Tom sind ein Geschwistertrio aus Ohio (Bekah, Joshua und Caleb Liechty), das 2021 als erste Band überhaupt die US-Version von The Voice gewann. Ihr Markenzeichen sind enge, dreistimmige Harmonien, akustische Arrangements und eine spürbare musikalische Vertrautheit – man hört sofort, dass hier nicht nur Stimmen, sondern auch Geschichte zusammenkommen.
Textlich ist das Stück ebenso clever wie sympathisch. Mit Zeilen wie „save the fighting for Thanksgiving, the scares for Halloween“ erinnern Girl Named Tom daran, warum gerade dieser Abend etwas Besonderes ist – ein Moment, der nicht überlagert werden sollte von Alltag, Streit oder Einsamkeit. Stattdessen: Zusammenkommen, Vorfreude, Gemeinschaft.
Tonight Is Christmas Eve ist ein moderner Weihnachtssong mit Evergreen-Potenzial: eingängig, optimistisch und voller Energie. Ein Abschluss der Weihnachten mit offenen Armen empfängt.
23. Dezember – Santa’s Got a Sweet Tooth von The Dip

Kurz vor Heiligabend wird’s noch einmal richtig groovig. Santa’s Got a Sweet Tooth von The Dip bringt diesen warmen Feel-Good-Sound, den die Band so gut beherrscht: Funk als Basis, durchzogen von sattem Soul und mit genau so viel Rockkante, dass alles lebendig bleibt.
The Dip verbinden den Geist klassischer Motown-Produktionen mit einem modernen Indie-Groove. Die Rhythmusgruppe sitzt punktgenau, Bläser und Orgel setzen geschmackvolle Akzente, darüber schwebt der Gesang, der sofort hängen bleibt – frisch und gleichzeitig angenehm nostalgisch. Man hört, dass hier eine Band zusammenspielt, nicht einfach Spuren übereinandergeschichtet werden.
Inhaltlich bleibt der Song herrlich augenzwinkernd: Santa als Genießer mit ausgeprägter Schwäche für Süßes. Kein Klamauk, sondern Charme. Die Leichtigkeit des Textes spiegelt sich im Arrangement wider – locker, tanzbar, mit genau dem richtigen Maß an Retro-Flair.
Ein perfekter Song für den 23. Dezember: entspannt, groovend und voller Vorfreude. Macht gute Laune.
22. Dezember – All I Want For Christmas Is a Cowboy von Megan Moroney

Heute wird’s noch einmal augenzwinkernd – mit Cowboyhut statt Christbaumkugel. All I Want For Christmas Is a Cowboy von Megan Moroney verbindet die Weihnachtszeit mit modernem Country-Sound.
Moroney gehört zur neuen Generation von Künstlerinnen aus Nashville, die Tradition und Gegenwart mühelos zusammenbringen. Bekannt wurde sie mit emotional direkten Songs, viel Selbstironie und einem Gespür für eingängige Hooks. Genau das hört man auch hier: Humor und Flirt bestimmen den Text – „Give me tall hot in a Stetson, somethin’ I can unwrap like a present“.
Musikalisch bleibt Moroney klar im modernen Country: twangige Gitarren, ein lockerer Honky-Tonk-Groove, warme Harmonien und ihre selbstbewusste Stimme tragen den Song mühelos.
Ein frischer Country-Weihnachtssong mit Humor. Perfekt für alle, die Weihnachten lieber mit Boots statt mit Glöckchen feiern. Witzig.
21. Dezember – Joy to the World von Robert Glasper feat. Alex Isley

Kurz vor dem Ziel wird es noch einmal richtig elegant. Joy to the World in der Version von Robert Glasper und Alex Isley ist kein klassischer Weihnachtsknaller, sondern ein fein ausbalanciertes Stück moderner Black Music – irgendwo zwischen Jazz, Soul und R&B.
Glasper, einer der prägendsten Jazzmusiker seiner Generation, ist bekannt dafür, Genregrenzen mühelos zu überschreiten. In seiner Weihnachtsinterpretation nimmt er sich des traditionellen Chorals (Text: Isaac Watts, 1719) mit großer Zurückhaltung an. Kein Pathos, keine überbordende Dramatik – stattdessen ein laid-back Groove, geschmackvolle Harmonien und Glasper-typische Akkorderweiterungen, die dem bekannten Thema neue Farben verleihen.
Die perfekte Ergänzung ist Alex Isley. Ihre warme, schwebende Stimme verleiht dem Song eine intime, fast meditative Qualität. Sie singt nicht „groß“, sondern erzählend, soulful und vollkommen selbstverständlich. Gerade dadurch bekommt der Refrain eine besondere Tiefe – eher inneres Leuchten als lauter Jubel.
Das Arrangement bleibt bewusst reduziert: Rhodes, Piano, ein subtiler Beat, sparsame Basslinien. Alles dient dem Flow, nichts drängt sich in den Vordergrund. Joy to the World wird hier weniger verkündet als empfunden.
Ein moderner, urbaner Blick auf einen der ältesten Weihnachtsklassiker – entspannt, stilvoll und genau richtig für die letzten Tage vor dem Fest.
20. Dezember – Santa for Someone von Jennifer Hudson

Heute gibt’s allerfeinsten Soul mit einer starken Stimme: Santa for Someone von Jennifer Hudson.
Die Oscar-, Grammy- und Tony-Preisträgerin veröffentlichte das Stück 2024 auf ihrem Weihnachtsalbum The Gift of Love. Hudson schrieb ihn gemeinsam mit Federico Vindver, Jacob Kasher Hindlin und Michael Pollack – cooles Teamwork würde ich sagen. Inhaltlich geht es nicht um Geschenke oder Weihnachtsromantik, sondern um Mitgefühl: den Wunsch, selbst „Santa“ für jemanden zu sein, dem es weniger gut geht.
Das Stück ist wirkungsvoll arrangiert: getragenes Tempo, warme Harmonien, die Band zunächst zurückhaltend und mit viel Raum für Hudsons Stimme. Sie beginnt kontrolliert und ruhig, steigert sich mit jeder Strophe – bis der Refrain diese typische Gospel-Weite entfaltet, ohne je pathetisch zu wirken. Bläser und Chor sind natürlich auch dabei. Mitreißend.
19. Dezember – Sorry Santa von CARR

CARR kam eher zufällig zur Musik. Eigentlich zog sie nach Los Angeles, um einen Studiojob anzunehmen und ihre Rechnungen zu bezahlen. In freien Studiozeiten begann sie gemeinsam mit Freund*innen zu experimentieren – aus Spielerei wurde ernst. Noch bevor sie ihr Projekt richtig öffentlich positioniert hatte, wurde sie von Pete Wentz (Fall Out Boy) und Spencer Smith (Panic! At The Disco) entdeckt und bei deren Label DCD2 Records unter Vertrag genommen. Die Musikpresse war schnell aufmerksam: Alternative Press nannte sie eine Artist To Watch
Mit Sorry Santa liefert CARR einen Weihnachtssong, der alles andere als brav ist. Der Titel klingt zunächst nach weihnachtlicher Reue – der Text macht jedoch schnell klar, dass es hier nicht um Schuld im moralischen Sinne geht, sondern um bewusste Grenzüberschreitung mit Augenzwinkern.
Der zentrale Refrain bringt es auf den Punkt:
„I can’t help who I wanna kiss / It’s every single man on your naughty list“
Musikalisch unterstreicht der rockige, leicht punkige Drive diese Haltung perfekt. Das ist kein ironischer Schlager-Gag, sondern Pop-Rock mit Haltung: frech, sex-positiv, selbstbewusst.
Am Ende ist Sorry Santa ein Weihnachtssong über das Recht auf Unvernunft. Kein Glitzer, keine Moralpredigt – sondern ein augenzwinkerndes Bekenntnis dazu, dass die Dinge, die wir „nicht haben sollten“, oft genau die sind, die wir wirklich wollen. Ehrlich.
18. Dezember – Carol of the bells von Sixpence None The Richer

Es gibt Stücke, die gehören einfach fest zum musikalischen Adventskalender – und Carol of the Bells ist eines davon. Von 2016 bis 2023 war der Song jedes Jahr in wechselnden Interpretationen verschiedener Künstler*innen vertreten. Letztes Jahr hat er dann pausiert. Dabei hatten Sixpence None the Richer ihre Version bereits 2024 auf dem Album Dawn of Grace veröffentlicht. Tststs…
Die Band aus Texas, vielen vor allem durch ihren 90er-Hit Kiss Me bekannt, nähert sich dem ursprünglich ukrainischen Lied (Shchedryk, 1916 von Mykola Leontowytsch komponiert) auf ihre ganz eigene Weise. Statt großer Chorwucht setzt diese Interpretation auf Zurückhaltung: schwebende Gitarren, ein gleichmäßig pulsierender Groove und Leigh Nashs klare, helle Stimme. Das ikonische Glockenmotiv bleibt erhalten, wirkt hier aber weniger dramatisch, eher hypnotisch und leicht melancholisch.
Ein vertrauter Klassiker im neuen Gewand – ruhig, atmosphärisch und winterlich. Genau deshalb kehrt Carol of the Bells im Kalender immer wieder zurück.
17. Dezember – home again von maya & ben

Heute öffnet sich ein besonders stimmungsvolles Türchen: Home Again vom kanadischen Duo Maya (Rae) & Ben(jamin Millman). Die Cousins musizieren schon seit ihrer Jugend zusammen, ihre Musik ist eine charmante Mischung aus Soul-Pop und R&B mit leichten Jazzelementen, sonnig, entspannt und emotional.
Die beiden schreiben und produzieren ihre Stücke selbst – das hört man: Home Again klingt wie ein perfekt eingefangenes, intimes Wohnzimmerkonzert. Die Stimmen von Maya und Ben verschmelzen warm und harmonisch wie Marshmallows im heißen Kakao. Ergänzt werden sie mit einem leicht jazzigen Klavier und einer dezenten Trompete, die dem Song Tiefe und Charakter verleihen.
Der Weihnachtsbezug ist liebevoll, aber unaufdringlich: Textlich erinnert das Lied an die guten alten Zeiten, etwa in der Zeile „Bring me back to the days when we would run together, remember that Christmas“.
Home Again ist ein wohltemperiertes, nostalgisches Stück, ein perfekter Soundtrack für gemütliche Winterabende mit Freunden oder für die nächtliche Fahrt nach Hause. Chillig.
16. Dezember – What Christmas can do von Caitlyn Smith & Dave Barnes

Manchmal ist ein Weihnachtssong dann am stärksten, wenn er nicht größer sein will als nötig. What Christmas Can Do von Caitlyn Smith und Dave Barnes ist genau so ein Stück: ruhig, ehrlich und zutiefst menschlich.
Beide Künstler stammen aus Nashville und sind vor allem als Songwriter:innen bekannt – Smith u. a. für Country- und Popgrößen wie Meghan Trainor oder Garth Brooks, Barnes ebenso als profilierter Autor und Produzent. Ihre Zusammenarbeit fühlt sich weniger nach Feature als nach gemeinsamem Erzählen an.
Der Song stellt keine großen Behauptungen auf. Er fragt vielmehr: „Was kann Weihnachten eigentlich leisten?” Keine Wunder à la Hollywood, keine alles heilende Magie – aber vielleicht einen Moment der Nähe, ein Innehalten, ein kleines Stück Hoffnung. Genau das transportiert auch das Arrangement: zurückgenommen, warm, mit akustischen Elementen, dezenter Rhythmik und viel Raum für die Stimmen. Smith führt hier mit ihrem warmen Timbre, weich in den Strophen, kräftig und klar im Refrain, die zweistimmigen Passagen mit Barnes harmonieren sehr gut. Wunderbar wohlig
15. Dezember – Winter Wonderland von Jacob Collier

Manche Künstler interpretieren Weihnachtsklassiker – andere laden Menschen ein, sie gemeinsam zu erleben. Jacob Colliers Version von Winter Wonderland stammt von der EP Three Christmas Songs – An Abbey Road Live to Vinyl Cut und ist eine echte Ausnahmeerscheinung: live aufgenommen, direkt auf Vinyl geschnitten, in einem einzigen, durchgehenden Take (!).
Collier selbst beschreibt das Projekt als eine Herzensangelegenheit. Als jemand mit „a deep love for Christmas“ habe es ihn besonders gefreut, drei seiner liebsten Weihnachtssongs live-to-vinyl im legendären Studio 2 der Abbey Road Studios aufzunehmen. Ein kurzfristiger Aufruf an Freund:innen und Fans führte zu einem bunten Chor aus Menschen unterschiedlichster Hintergründe – die sich dort zum ersten Mal begegneten, gemeinsam sangen und diesen Moment teilten.
Genau das hört man. Collier begleitet sich auf der akustischen Gitarre, zurückhaltend, rhythmisch flexibel, immer im Dialog mit dem echten Chor. Keine Overdubs, keine Schnitte, keine Studio-Tricks: Alles, was auf der Aufnahme zu hören ist, entstand im selben Moment, ohne Pausen, ohne zweite Chance. Der Raum klingt mit, die Stimmen atmen, kleine Unschärfen werden Teil der Magie.
Natürlich bleibt Collier harmonisch verspielt – Akkorde kippen sanft, rhythmische Verschiebungen blitzen auf. Doch hier dienen sie nicht der Demonstration, sondern dem Miteinander. Winter Wonderland wird so zu dem, was Collier selbst erhofft: ein Stück, das Freude entfacht und gemeinschaftliche Weihnachtsstimmung heraufbeschwört.
Kein Bombast, kein Spektakel – sondern ein kollektiver Moment. Und genau darin liegt seine besondere Strahlkraft. Berührend.
14. Dezember – Cuban Sugar von Hovedøen Social Club & The Norwegian Radio Orchestra

Heute treffen zwei Welten aufeinander, die man nicht unbedingt zusammen erwartet – und genau deshalb funktioniert es so gut. Hovedøen Social Club, bekannt für ihre Liebe zu kubanischen Rhythmen und lateinamerikanischer Tanzmusik, nehmen sich gemeinsam mit dem Norwegian Radio Orchestra Tschaikowskys Tanz der Zuckerfee aus dem Nussknacker vor – und machen daraus Cuban Sugar.
Die Vorlage kennt vermutlich jede*r: filigran, verspielt, klassisch-ballettesk. Doch hier wird sie konsequent neu gedacht. Statt Celesta und Streicherflirren dominieren afrokubanische Rhythmen, Percussion, Bläsersätze und ein federnder Latin-Groove. Das berühmte Thema bleibt jederzeit erkennbar, wird aber rhythmisch gedehnt, synkopiert und neu akzentuiert – mal tänzelnd, mal mit ordentlich Schub nach vorne.
Gerade die Zusammenarbeit mit dem Norwegian Radio Orchestra macht den Reiz aus: Die klassische Klangsprache wird nicht einfach ersetzt, sondern clever integriert. Streicher und Bläser liefern Struktur und Fülle, während die Band dem Ganzen Wärme, Bewegung und Tanzbarkeit verleiht. Das Arrangement spielt bewusst mit Kontrasten – elegant und körperlich zugleich.
Was mir besonders gefällt: Cuban Sugar ist weder ironisch noch verkopft. Es ist kein „Guck mal, wie schlau wir sind“-Crossover, sondern eine liebevolle, sehr gut gemachte Neuinterpretation. Der Nussknacker darf hier endlich schwitzen – und das steht ihm erstaunlich gut.
Ein wunderbares Beispiel dafür, wie klassische Weihnachts- und Wintermusik durch Rhythmus, Mut und Spielfreude neues Leben bekommt. Tschaikowsky im Tanzmodus.
13. Dezember – Let Love Lead The Way von Gerhardt

Heute wird’s modern, warmherzig – und ein bisschen frech: Gerhardt, Singer-Songwriter und Produzent aus den Niederlanden, mixt in Let Love Lead The Way Indie-Pop, Soul und eine ganze Portion atmosphärisches Storytelling zu einem Stück, das sofort hängen bleibt.
Das auffälligste Merkmal gleich zu Beginn: dieses gepfiffene Motiv, das nur von einem simplen Glockenspiel begleitet wird. Und ja – Gerhardt reizt das so konsequent aus, dass es fast schon penetrant wirkt. Fast. Denn kurz bevor man denkt „Okay, jetzt reicht’s“, kippt es in genau das Gegenteil: Es hakt sich ein, es trägt, es funktioniert. Das ist am Ende nichts anderes als cleveres Arrangement- und Produktionstalent.
Sobald der Song richtig einsetzt, weitet sich der Klangraum: warme Vocals, ein federnder Beat, sanfte Gitarrenflächen und fein abgestimmte Harmonien im Refrain. Die Botschaft bleibt glasklar: Liebe als Leitstern, ruhig, ehrlich, ohne großes Pathos – aber mit einem starken Gefühl von Nähe.
Nebenbei: Gerhardt hat im Laufe seiner Karriere viel für Theater, Comedy und interdisziplinäre Musikprojekte gearbeitet. Vielleicht kommt genau daher dieses Gespür für Dramaturgie – für den Moment, in dem man ein Motiv nicht nur wiederholt, sondern mit Augenzwinkern überhöht, bis es wirkt.
Ein Song, der auf leise Art laut bleibt. Und ein wunderbarer, etwas anderer Farbtupfer mitten im Advent.
12. Dezember – You’re A Mean One, Mr. Grinch von RuPaul

Heute wird’s glamourös, funky und ganz eindeutig extra: RuPaul – Sänger*in, Drag-Superstar und Pop-Performer mit unfehlbarem Gespür für Entertainment – liefert mit You’re A Mean One, Mr. Grinch eine herrlich überdrehte, tanzbare Version des Klassikers – weit weg vom brummigen Bass des Originals von 1966.
Diese Interpretation ist ein energiegeladenes Mash-up aus funky Basslinien, knalligem R&B-Beat, poppigen Synths, Gospel-Backingvocals – und allem, was in den späten 90ern gerade hip war. Man spürt sofort: Das ist keine Parodie, sondern ein echter Club-Track. Der Song groovt, glitzert und blinkt wie ein Discokugel-Weihnachtsbaum. Produziert wurde das Ganze im typischen RuPaul-Spät-90er-Sound, mit viel Layering, satten Harmonien und einem Hauch Drag-Show-Grandiosität.
Diese Version macht richtig Spaß und zeigt: Weihnachten darf auch einfach mal campy, bunt und maximal funky sein.
Und ich feiere diesen Chor!
11. Dezember – All the gifts I need von JD McPherson

Heute wird’s im Adventskalender richtig energiegeladen: All The Gifts I Need von JD McPherson. Ein Song, der klingt, als hätte jemand Rock’n’Roll, Rhythm’n’Blues und eine Prise Dezemberluft in einen Schneebesen geworfen – und das Ergebnis swingt gewaltig.
McPhersons 2018er Weihnachtsalbum Socks ist ohnehin ein kleines Juwel in der Welt der saisonalen Musik. Statt Glitzerpop oder Sinatra-Kopie setzt er auf knackige Gitarren, treibenden Shuffle-Groove und eine Produktion, die bewusst nach analogem 50s-Feeling klingt – aber ohne eine Sekunde altmodisch zu wirken.
McPherson ist das Album mit derselben Ernsthaftigkeit angegangen wie seine regulären Platten. Keine Gimmicks, kein Schnellschuss. Er erzählte dem Rolling Stone dazu:
“Instead of, ‘Let’s just make a Christmas record,’ we wanted to first and foremost make a rock & roll record that then fell into the seasonal genre.”
Und das hört man: Die Platte klingt nicht wie ein Weihnachtsspezial, sondern wie ein richtig gutes Rock’n’Roll-Album, das zufällig Weihnachtslieder enthält.
All The Gifts I Need eröffnet das Album mit einem federnden Beat, – Bass, Piano und Drums harmonieren blendend, das Baritonsax spielt lässige Licks – und diesem warmen, leicht rauen Timbre, das McPherson so unverwechselbar macht. Der Text verzichtet auf den Weihnachtstrubel und konzentriert sich auf das Wesentliche: Die wichtigen Geschenke sind eben nicht die im Laden, sondern die aus dem Leben.
Rockabilly-Weihnachten in Bestform. Energiegeladen, handgemacht, charmant – und ein willkommener Gegenpol zu all den balladigen Klassikern der Saison.
10. Dezember – Santa Claus Is Coming To Town von Diana Krall

Das heutige Stück war seit 2016 fast in jedem Kalender dabei. Die Künstlerin war jedoch noch nie zu Gast, und das obwohl sie eine meiner Lieblinge ist. Skandal!
<äh-hem, Matthias das hast du letztes Jahr in Türchen 12 schon geschrieben… >
Ach echt? Upsi 😅 Dann eben anders: Die Jazzsängerin begleitet mich musikalisch schon seit ihrem beeindruckenden Tribute-Album All For You (A Dedication to the Nat King Cole Trio) von 1994…
<hust-hust!!! Und das so ähnlich in Türchen 11… >
Na sowas… 😇 Fakt ist: Diana Krall, die kanadische Ausnahmekünstlerin, begeistert mich seit vielen Jahren – und sie war noch nie im Kalender. Und das, obwohl sie schon vor 20 Jahren Christmas Songs veröffentlicht hat. Dieses Versäumnis gilt es nun dringend nachzuholen.
Ihre Version von Santa Claus Is Coming to Town hat sie mit dem Clayton/Hamilton Jazz Orchestra eingespielt (eine großartige Big Band, nebenbei bemerkt) – und natürlich klingt der Weihnachtsklassiker bei ihr nicht nach Kinderlied, sondern nach cool-jazzigem Understatement.
Das Arrangement ist knackig swingend, mit satten Big-Band-Bläsern auch auch viel Raum für Kralls unverwechselbar samtige Stimme. Ihr Pianospiel – trocken, geschmackvoll, nie aufdringlich – setzt funkelnde kleine Akzente zwischen den Bläserlinien.
Produziert wurde das Album von Tommy LiPuma, mit dem Krall viele ihrer erfolgreichsten Aufnahmen gemacht hat. Die Kombination aus seiner Produktionsästhetik und der spielfreudigen Big Band macht die Aufnahme zu einem modernen Weihnachtsklassiker. Perfekt.
9. Dezember – River von The O’Pears

Heute wird’s melancholisch: The O’Pears interpretieren Joni Mitchells Klassiker River (ursprünglich 1971 auf Blue erschienen). Die Version des kanadischen Vocal-Folk-Trios ist reduziert, intim und besticht mit dem für sie typischen, glasklaren dreistimmigen Harmoniegesang. Lydia Persaud, Jill Harris and Meg Contini verwandeln den Song in ein warmes, beinahe kammermusikalisches Stück, getragen nur von sanfter Gitarre und vielstimmiger Tiefe. Ein stiller Moment im Advent – zum Durchatmen, Lauschen und ein kleines bisschen Davontreiben. Wunderschön.
8. Dezember – This Christmas I’m Coming Home von Norah Jones und Leon Bridges

Und weil’s so schön ist gleich noch ein Duett und zwar ein funkelnagelneues. Norah Jones und Leon Bridges haben haben am 7. November 2025 This Christmas I’m Coming Home veröffentlicht.
Der Song wurde von Norah Jones zusammen mit ihrem langjährigen Produzenten Leon Michels geschrieben und nimmt geschickt Bezug auf den Song „Coming Home“ von Leon Bridges. Ein warmes, bluesiges Klavier, straight gespielte Drums mit leichtem Hall und im Refrain wunderbar soulige Bläser. Norahs jazzige Leichtigkeit trifft auf Leons samtigen Retro-Soul. Ein Weihnachts-Slowgroove, der direkt unter die Haut geht. Lässig
7. Dezember – This Winter von Jamie Cullum und Lady Blackbird

Über das heutige Türchen freue ich mich ganz besonders.
Auf einem meiner liebsten Weihnachtsalben haben zwei meiner Lieblingskünstler ein wunderbares Duett aufgenommen: Jamie Cullum und Lady Blackbird präsentieren uns „This Winter“.
Ein ansprechendes Jazz-Arrangement, zwei unverwechselbare Stimmen, die solo glänzen und auch gemeinsam wunderbar harmonieren – und dazu ein warmes, geschmackvolles Saxophonsolo, das dem Song perfekten abrundet. Ich finde das einfach großartig.
Habt einen schönen zweiten Advent.
6. Dezember – Santa Santa von Sarah Bugar

Heute gibt’s eine wunderbar reduzierte Nummer: „Santa Santa“ von Sarah Bugar. Die Münchner Sängerin startet nur mit Klavier und Bass, ihre warme, kraftvolle Stimme ganz im Mittelpunkt. Erst im ersten Refrain kommen nach und nach Schellen, Drums und leise Keys dazu – dezent, aber genau richtig dosiert.
Ein eleganter, schlicht gehaltener Weihnachtssong voller Stimmung.
Fun Fact: Sarah Bugar hat den Track ursprünglich nur als kleine Studio-Session veröffentlicht – und wurde selbst überrascht, wie oft er in Winter-Playlists landet
5. Dezember – All I Want For Christmas Is You von GEM

Heute gibt’s den Weihnachtsklassiker All I Want For Christmas Is You in einer völlig anderen Stimmung: GEM liefern eine rotzige, energiegeladene Punkrock-Version mit Schrammel-Gitarren und ordentlich Vorwärtsdrang.
Statt Mariah-Glitzer gibt’s Gitarrenriffs, Attitüde und eine gute Portion DIY-Charme. Der Song bleibt ein Ohrwurm — aber einer, der eher nach Proberaum riecht als nach Kaufhaus-Deko.
Perfekt für alle, die Weihnachten auch mal mit ein bisschen Punk feiern wollen.
4. Dezember – Santa Beach von Zun || Zon & Laid Back

Zeit für einen kleinen Stilbruch! Nach all den winterlichen Songs geht’s heute ab an den Strand — mit „Santa Beach“ von Zun || Zon & Laid Back. Der Track bringt lockere Calypso-Vibes und sonniges Weihnachtsfeeling statt Schneegestöber. 2023 erschienen, klingt er nach Meer, Sonnenbrille und Flip-Flops. Perfekt, um mitten im Adventstrubel kurz die Zehen in den Sand zu stecken – zumindest gedanklich. Chillig.
3. Dezember – Looks Like a Cold, Cold Winter von Ingrid Michaelson

Ein Hauch von 50er-Jahre-Nostalgie fürs dritte Türchen: Ingrid Michaelson interpretiert den Klassiker Looks Like a Cold, Cold Winter, den Bing Crosby 1950 mit Big Band aufgenommen hat.
Das Arrangement folgt weitgehend dem Original – Big Band und Chor sind ebenfalls am Start. Der Sound wirkt jedoch etwas moderner, und Ingrids Phrasierung ist natürlich ganz anders. Der Song fängt die winterliche Stimmung perfekt ein – er könnte auch aus einem Disneyfilm stammen. Ich mag’s.
2. Dezember – Von guten Mächten wunderbar geborgen von Quadro Nuevo

Heute wird’s besinnlich: Quadro Nuevo interpretieren Dietrich Bonhoeffers berühmten theologischen Text mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Jazz, Weltmusik und sanfter Melancholie.
Zarte Melodielinien, warme Instrumentierung, ein Hauch mediterraner Leichtigkeit – und doch bleibt die spirituelle Tiefe des Originals völlig erhalten. Ein Stück voller Trost, Hoffnung und stiller Schönheit. Berührend.
1. Dezember – Deck the Halls von The Lumineers

Der musikalische Adventskalender startet traditionell – aber diesmal in einer ganz neuen Farbe. The Lumineers haben den Weihnachtsklassiker „Deck the Halls“ 2023 in einer ruhigen, reduzierten Folk-Version veröffentlicht, aufgenommen während ihrer Tour in Argentinien.
Die Band aus Denver, bekannt für ihren warmen Americana-Sound, verwandelt das fröhliche Original (ein walisisches Traditional aus dem 16./17. Jahrhundert) in eine melancholisch-intime Interpretation – weniger Glitzer, mehr Kerzenlichtstimmung.
Besonders schön: Alle Einnahmen gehen an Backline, eine Organisation für mentale Gesundheit in der Musikszene.
Ein stiller, berührender Start in die Adventszeit.